Dass das noch geht…

Blogs lesen. Auch so eine Beschäftigung, die sich mit den Jahren so ein wenig verloren hat. 

Nur die Herzdamengeschichten. Da schau ich noch immer rein wenn mir nach bezaubernden Alltagsgeschichten ist. Da bin ich nach wie vor ganz großer Freund von. 

Und beim Schmunzeln und Stöbern eben an meinen alten Blog hier gedacht und wollt eigentlich nur mal schauen, ob ich denn wohl mein Passwort noch weiß. Und siehe da…

Und ich dacht, wo ich schon mal da bin, kann ich ja wenigstens noch schnell kritzeln:

I was here…

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Schizophrenie und Western

Einer meiner Stammgäste kommt jeden Sonntag (und manchmal auch an Tagen zwischen zwei Sonntagen), ist um die 60 und hat einen dieser ganz typischen alten deutschen Namen, die ich mir einfach nicht merken kann. Sowas wie Günther oder Heinrich. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Wilhelm.

Dank Bundesliga schließe ich den Laden bereits um 15 Uhr auf, nur um an FC-freien Tagen dann an der Theke zu sitzen und zu lesen bis der normale Abendbetrieb so langsam in Schwung kommt. Jeden Sonntag gegen 17 Uhr betritt Wilhelm farblich dezent in Altherreneinheitsblau und mit Jutebeutel die Bühne. Was sich in diesem Beutel befindet werde ich wohl nie erfahren. Das Einzige, was er daraus jedesmal zutage fördert ist ein Dreigroschenroman. Um genau zu sein, ein Western-Dreigroschenroman. Jede Woche ein neuer.

Wilhelm und ich wir mögen uns ganz gern. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, der gern von seiner Familie erzählt. Seinen Kindern, die im Osten leben. Und seinem Enkel, der so unglaublich schnell groß und erwachsen wird. So schnell, dass er kaum noch mitkommt. Sie fehlen ihm. Das spürt man. Wilhelm arbeitet beim Standesamt. Einen Beruf, den er ganz gerne macht. Nur die Einsätze, wenn er Bereitschaft hat und an ein Sterbebett gerufen wird, die machen ihm zu schaffen. Das sind dann die Tage zwischen den Sonntagen, an denen Wilhelm (ganz ohne Jutebeutel) an meiner Theke sitzt und ein Bier und ein paar offene Ohren braucht. Und wenn man genau hinschaut, sieht man wie seine Hände zittern und Tränen seinen Blick verschleiern. Menschen beim Sterben zu begleiten, dafür ist Wilhelm nicht gemacht. Dann spürt er, dass er älter wird und vor allem spürt er, dass er alleine ist in Köln. Das macht ihm Angst. Und das kann ich verstehen.

So ist das in Deutschland. In einer Zeit, in der der Generationenvertrag nur noch bedeutet, dass die eine Generation die andere mit Geld versorgt und in der Familien wegen der beruflichen Mobilität auseinandergezogen werden wie Gummibänder.

Sonntags, bevor er auf der Bank unter dem Fenster seinen Western liest, weil das Licht dort besser ist. Also vorher, da macht er Hausputz wie er sagt. 2 Mal. Nicht, weil er so penibel wäre oder einen seltsamen Tick hätte, sondern weil er erst seine Wohnung putzt und dann die Wohnung seiner Frau, die vor 20 Jahren an Schizophrenie erkrankte und die Sonntags immer zu ihrer Mutter geht. Die Zeit nutzt Wilhelm, um ihre Wohnung in Ordnung zu bringen, weil sie es nicht kann.

Aber es gibt auch schöne Dinge: Er hat sich ein Auto gekauft. Einen nigelnagelneuen Kleinwagen. Einen Skoda. Und er ist unglaublich stolz drauf. Und freut sich, dass ihn noch niemand aufgebrochen oder demoliert hat. Und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

Reanimation

Seit letztem Juli bin ich nun nicht mehr in der grünen Kaffeekette tätig. Dafür aber in einem Pub und damit bin ich mir farblich wenigstens treu geblieben. Die Kaffeekette vermiss ich weniger, den ein oder anderen Kollegen dafür umso mehr. Denn im Pub arbeite ich allein.

Trotzdem (oder vielleicht grade deshalb) passieren dort nicht selten skurrile Dinge. Beziehungsweise: Soziologisch gesehen ist die Arbeit dort wirklich mitunter spannend. Das passt auch ganz gut. Komm ich doch jetzt ins zweite Semester meines Sozialwissenschaftenstudiums mit Hauptfach Soziologie.

Am Freitag fragte mich einer meiner Stammgäste, ob ich den ganzen Kram denn eigentlich aufschreiben würde. Und da erinnerte ich mich des völlig vernachlässigten Blogs.

Und da bin ich also nun wieder. Mit kleinen Geschichten, die das Leben in Köln so schreibt. Manche lustig, manche traurig. Mal häufiger interessant, mal weniger geeignet, aufgeschrieben zu werden. Ein schönes neues Projekt. Vielleicht ja eins, das diesem Blog nochmal Leben einzuhauchen vermag.

Medienimpressionen

Zuletzt gelesen: Ein todsicherer Job von Christopher Moore aus dessen Feder auch die äußerst blasphemisch lustige Komödie „Die Bibel nach Biff“ floß. Kurzweiliger Spaß dieser Tod, aber dafür richtiger Spaß. Endlich mal wieder beim Lesen eines Buches laut gelacht.

Gelacht hab ich dafür bei den ersten Folgen von „30 Rock“ erstaunlich wenig. Von dieser Serie hatte ich mir mehr versprochen. Aber ich bleibe am Ball. „The Big Bang Theory“ hatte mich auch erst nach ein paar Folgen. Dafür dann aber richtig. Manchmal muss man sich eben erst mit den Marotten einiger Charaktere anfreunden. Aber wenn das einmal geschehen ist, mag man sie kaum noch missen.

Sehr enttäuscht war ich am letzten Kino-Montag von „Public Enemies“. Ganz doofer Film. Oder naja, zumindest sehr unnötig. Und das trotz Depp und Bale. Eine Schande. Heute dann zu meiner Überraschung in einen Kriegsfilm geraten, die ich normalerweise sehr meide. „Tödliches Kommando“ fand ich jetzt aber wirklich gar nicht mal verkehrt. Auch wenn er mich aus irgendeinem Grunde nicht so verstört hat, wie das Kriegsfilme normalerweise tun. Und dann auch noch die Vorschau des neuen Scorsese-Films gesehen. Von dem Trailer war ich dann doch sehr überrascht. Hatte nämlich nichts davon mitbekommen. Geschweige denn davon, dass Scorsese wieder einen Film mit DiCaprio in der Hauptrolle in die Kinos bringt. Sah in meinen Augen für beide nach einem ungewöhnlichen Film aus…aber gar nicht mal schlecht.

Und nach Buch, Serie, Kino gabs auch noch auf die Ohren:
Seit Wochen höre ich „The Baseballs“ rauf und runter. Ganz großartige 50ies-Interpretationen diverser Charthits. Man muss sich nur dran gewöhnen, dass man von selbigen dann auch ständig Ohrwürmer hat. Also von Charts, auch wenn man denen sonst oft wenig abgewinnen kann. (ich sag nur 2 Wochen lang „Umbrella-ella-ella-e-e-e-e…“)
Und Gelesenes gabs auch auf die Ohren: Das Hörbuch von „About a boy“. Nur kann ich beim besten Willen nicht sagen, warum mir nach 3 von 4 CDs irgendwie die Puste ausging.

Ach und gleichzeitig auf Ohren und Augen gabs dann vorgestern auch noch. Und zwar ganz ohne (dazwischengeschaltete) Medien. Nur durchs Fenster zu hören und zu sehen, als es nämlich ganz fürchterlich auf der Kreuzung vor meinem Fenster krachte. 2 Autos mit Totalschaden, keine Verletzte, viele Geschockte und hoffentlich zwei von der Raserei geheilte Idioten.

Glaubensfrage?

Die Frau B. ist eine ganz hartgesottene Christin. Hardcore-Christin würden es wohl die ein oder anderen bezeichnen. So mit allem drum und dran. Dem sonntäglichen Kirchengang, mindestens jeden Abend beten, kein Sex vor der Ehe und sogar mit der Abgabe des Zehnt (und das freiwillig, weil freie Kirchengemeinde und deswegen nicht die übliche Kirchensteuer).

Die Frau B. ist verheiratet und wurde vor einiger Zeit schwanger. Während der Schwangerschaft wurde ihr Mann schwer krank. Seine Nieren arbeiten nicht mehr richtig. Seine Nierentätigkeit liegt jetzt nach langem Krankenhausaufenthalt und dank Medis bei ca. 10%. Die Frau B. ist sehr gläubig, das hat sie mir in vielen Gesprächen immer wieder gesagt. Sie glaubt an einen lenkenden Gott, an einen gütigen Gott, an einen, der einem nur das aufbürdet, was man auch tragen kann und das eben jener Gott einem beim Tragen dieser Bürden stützt.

„Wenn das Kind nicht wäre, hätte ich ihn schon längst verlassen.“ sagte sie unlängst.

Klarsichtfolie

Eben durch Zufall von der erotischen Fantasie mancher Menschen gehört, den Partner in Klarsichtfolie vorzufinden. Hm.

Mal abgesehen davon, dass ich persönlich da nicht viel erotisches dran finden kann, muss ich bei dem Bild spontan an eine meiner Lieblingsszenen aus „Grüne Tomaten“ denken, in der sich Kathy Bates in ebensolche Folie hüllt:

(ab Minute 6:53)

Alle Handys auf den Müll

Ein Mann, der mich nach meiner Telefonnummer fragt, wird mich zu 90%iger Wahrscheinlichkeit nicht anrufen, weil er sich spätestens eine Stunde nachdem er aus meinem Bannkreis verschwunden ist, fragt, welcher Teufel ihn denn da geritten haben mag.

Und obwohl ich das weiß, sind da ja noch die übrigen 10%, die mich immer wieder hoffen machen. Und die mich dann letztendlich irgendwie traurig daheim sitzen lassen. Und die mir mit zischender Stimme ins Ohr spucken, dass ein puristisches Leben ohne Telefon und Co. mich vor solchen Abenden bewahren würden.

Achso und was das mit den Pferden angeht: Der Ausflug/das Experiment wurde aufgrund von Wetter verschoben. Die Beantwortung der Überlebensfrage steht also noch aus…