Des Loewenzahns neue Kleider

Mein erstes selbst geschneidertes Kleid ist fertig. Seit 2 Tagen. Fotos kommen vielleicht noch. Gestern das Kleid spazieren geführt, tanzen gewesen, fröhlich gewesen, blöde Situationen gut gemanagt und einfach so in Wohlgefallen aufgelöst. Was ein unerwartetes strahlendes Lächeln und ein Winken so beim Gegenüber bewirken kann…muss ich mir merken. Kostet auch wesentlich weniger Energie als sich zu verteidigen oder gar den Angriff als die beste Verteidigung zu wählen.

Radler für mich entdeckt. Aber das mit Sprite, nicht das mit Fanta. Lecker is das. Und läuft viel zu gut. Bis um 3 Uhr früh ausgelassen wie schon lange nicht mehr getanzt und mich einfach nur gefreut, das Leben genossen, ein wenig geflirtet, eine Rose geschenkt bekommen, einfach so. Von einem fremden Mann mit dem ich kein Wort gewechselt hatte, mit einem strahlenden Lächeln und einem offenen Blick überreicht bekommen. Ohne Gegenleistungen. Der Abend gehörte mir. Und dann irgendwann entglitt er mir. Einfach so. Weil ich mich getraut habe und mal wieder falsch lag. Weil ich den Blickkontakt hielt, mit dem Mann an der Bar und lächelte. Ein Lächeln, das von innen kam, weil ich einfach so glücklich war. Darüber genau zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Menschen an diesem Ort zu sein. Weil ich nicht weggeguckt habe, wie ich es sonst immer tue. Weil er herüber kam. Und weil er nett war. Weil wir uns über Musik unterhalten haben, der schokobraune, lässige Typ aus Detroit und ich. Weil ich mich habe überzeugen lassen, mit zu ihm zu gehen und Musik zu hören und zu quatschen, wie er sagte. Und weil ich nicht auf meine Alarmglocken gehört habe, als er mir immer näher kam. Viel näher, als ich das eigentlich wollte. Weil ich doch eigentlich genau das wollte, was er vorher versprach: Musik hören und reden. Und als all mein Glücklichsein verpuffte, als ich stark genug war, das zu sagen und er sich als Opfer hinstellte. Und wie ich dann plötzlich neben mir stand und mir dabei zusah, wie ich auf diese Masche nicht reagieren konnte, obwohl mir bewußt war, dass ich manipuliert werde. Und wie ich da sitze und mich immer elender fühle und merke, dass das mit der eigenen Geschichte wirklich ein Fluch sein kann. Dass die Erfahrungen, die man macht eben nicht immer dazu führen, dass man Strategien für sich entwickelt, die gut für einen sind. Dass das leider ganz und gar nicht der Fall ist. Und wie ich ab diesem Zeitpunkt beobachte, wie ich immer wieder versuche, ihm klarzumachen, was ich eigentlich will. Und er mir die Worte im Mund rumdreht und ich es einfach nicht schaffe, zu gehen. Das Gefühl habe, dass ich nicht das Recht habe zu gehen, dass ich ihm etwas schuldig bin. Nur warum, die Antwort auf diese Frage will sich in meinem Kopf einfach nicht einstellen. Und wie er mich mit Psychotricks manipuliert und ich eigentlich genau sehe, was er da macht. Und ich eigentlich genau weiß, dass das was er sagt, was er will und das, was er tatsächlich will, zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind. Dass er sehr wohl mit mir schlafen will. Irgendwann schlafe ich ein, vor lauter Erschöpfung über den inneren Kampf. Den Kampf den meine Vernunft mit mir führt und versucht meinen Körper zum Gehen zu bewegen. Den Kampf, den mein Inneres gegen seine Worte führen muss, damit ich nicht beginne, zu glauben, was er über mich sagt. Und müde vom Alkohol und dem Tanzen, vom ganzen Abend, vom Glück und dem tiefen Fall. Und wie ich wach werde und seine Hände schon wieder überall sind. Und ich einfach zu fertig bin und zu durcheinander, um mich weiter dagegen zu wehren. Wie sich ein Teil von mir im Innersten zurückzieht und mein Kopf nüchtern wird und sich abfindet und einfach macht. Wie meine Gegenwehr einfach in sich zusammenfällt, weil ich weiß, dass der Kamof vorüber ist, wenn ich es einfach durchziehe. Und weil ich es einfach nicht hinbekomme zu gehen. Und wie ich um halb 9 in der Frühe dann doch endlich den Dreh kriege, meine Sachen zu packen und zu gehen. Nach 2 endlosen Stunde, die meine Seele und mein Körper getrennt voneinander verbracht haben. Und er tatsächlich fragt, wann wir uns wiedersehen. Und in mir alles nur fassungslos ist über diese Frage. Und wie ich ihm das nichtmal sagen kann, weil ich mich so fürchterlich fühle, mein Kopf fast platzt und wie ich 5 Minuten später auf meinem Rad sitze und nur bis zum Arbeitsplatz komme, der auf dem Weg liegt, wo ich mir eine ehrliche Umarmung hole und Wasser und eine Auszeit an der frischen Luft und nach Energie suche um bis nach Hause zu kommen. Und wie ich ein paar Stunden später zuhause in der Dusche weinend in die Knie gehe. Dass ein Abend eine solche Wende nehmen kann.

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4 Antworten zu “Des Loewenzahns neue Kleider

  1. Ach du scheiße. 😦 Das klingt alles wie ein böser Traum. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, denn der Text hat auch mit der Überschrift so schön angefangen.
    Wenn es dich aufmuntert: Ich schaffe es in solchen Momenten auch nicht zu gehen. Ich wurde auf offener Straße angesprochen, mitten in der Nacht, ich hatte Ansgt und wollte nach Hause, konnte das nicht sagen etc.

    Aber ich würde wirklich gerne dein selbstgeschneidertes Kleid sehen! Wann stellt du Fotos auf deine Seite?

  2. Hey Kiya 🙂
    Ja, mittlerweile kommts mir auch so vor, als wärs ein böser Traum.

    Was das Kleid angeht. Irgendwie krieg ichs nicht hin, ein schönes Foto von mir in dem Kleid zu machen 😀 Aber sobald ich eins hab, werd ichs bloggen, versprochen!

    Und du? Wie gehts dir in Bonn? Machts Studium noch Spaß?

    LG

  3. Ich warte gespannt!

    Gestern habe ich meine letzte Klausur geschrieben und habe nun drei Monate lang frei. 🙂 Meistens macht das Studium Spaß, aber bei manchen Dozenten…
    Gruß
    Kiya

  4. Ja, die Dozenten…und so einige Kommilitonen…also die warens bei mir. Puh, rennen da arrogante Dumpfbacken rum. Das hat mir echt den Rest gegeben.

    Dann wünsch ich dir mal entspannte Semesterferien!!
    Könnten auch eigentlich mal nen Kaffee zusammen trinken 🙂
    Grüßle

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