Lebenswege und Fata Morganas

Ich weiß nicht, was dieses Jahr los ist. Nichts aber auch wirklich gar nichts läuft so wie geplant. Und während im wochentakt meine Welt um mich herum immer und immer wieder in splitterfeine Stücke zerspringt, stehe ich ein wenig verloren in der Gegend herum und versuche, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Versuche, nicht in Panik oder Resignation zu verfallen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich irgendwann den Weg, meine Bestimmung, mein Schicksal, mein Kismet, wie auch immer man es nennen mag, verlassen oder missachtet und so sehr ich mich auch bemühe, ich weiß einfach nicht mehr, wie ich da wieder hinkomme. Egal, für was ich mich entscheide, welchen Weg ich ein paar Schritte laufe, ich traue mich einfach nicht mehr, mir dem Untergrund, auf dem ich laufe, sicher zu sein. Denn auch der könnte sich jeden Moment in Treibsand verwandeln oder was auch immer. Jedenfalls nichts von Bestand.

Was das alles bedeuten soll? Wie es aussieht, werde ich wohl endgültig das Studieren dran geben. Wie es dazu gekommen ist? Eine sehr seltsame Kette von Ereignissen hat dazu geführt. Und eigentlich müßte ich nach dem Abi anfangen, wenn ich sie komplett erzählen wollte. Abi mit hervorragenden Noten in Deutsch und Kunst, also Germanistik und Kunstgeschichte angefangen. Gemerkt, dass studieren nichts für mich ist – nach 2 Semestern. Dann Berufsberatung, der Plan: BTA. Vom Berater belabern lassen, doch lieber Bio zu studieren, ich wäre doch schließlich nicht blöd. Also Bio angefangen. Dort nicht wirklich zu potte gekommen, weil ich nicht wußte, was ich damit anfangen will. Also überlegt, was ich kann und auf die Idee gekommen, Lehramt zu machen. Also dafür beworben. Gabs nicht mehr in Bonn, also nach Köln gewechselt. Das Fach, das ich eigentlich wollte, nicht bekommen, also ein einschreibungsfreies genommen. So also bei Chemie als zweites Fach gelandet. Nach kurzer Zeit gemerkt, dass die Uni Köln mir nicht passt. Durch Zufall mit einer Freundin gesprochen, die überlegte, endlich mal in einer andere Stadt zu gehen, um mal raus zu kommen. Gedacht, dass ich das auch mal brauchen könnte und die Uni in Köln eh nicht so mein Ding ist. Also umgeschaut. Was dann kam, hab ich hier ja geschrieben. In Marburg beworben, kurz vor knapp erfahren, dass ich da keinen Platz bekomme, also umentschieden: Auf nach Jena. Nach Weimar gezogen und zwei Wochen, nachdem ich hier angekommen bin, erfahre ich, dass man mich in Jena nicht hätte einschreiben dürfen. Das heißt, dass mein Status hier mehr als wacklig ist. Sicher, ich könnte mich jetzt auf die Hinterbeine stellen und kämpfen. Aber um ehrlich zu sein: Mein Herz hängt nicht sehr an diesem Studium. Und auch an anderen Unis wäre mein Studentenstatus mehr als fraglich, denn ums kurz zu machen: Ich bin einfach schon zu weit und habe zu wenig vorzuweisen. Und etwas Neues von vorne anzufangen? Nein, dafür habe ich nun wirklich weder den Nerv noch die Idee. Und wenn ich ehrlich sein soll: Jedes Semester immer und immer wieder mit dem Prinzip Studium gerungen. Jedes Semester aufs Neue die Motivation mobilisieren…Und immer im Hinterkopf die Kulturkneipe, die ich aufmachen will, seit ich 14 bin. Also bin ich jetzt bei dem neuen Weg angelangt, der da wie folgt aussieht. Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Und da brösele ich hier so langsam auf den Gehsteig und habe den Wunsch, eine Kristallkugel zu besitzen, die mir sagt, wie es weitergeht. Ob es sich lohnt, sich wirklich auf diesen Weg zu begeben, oder ob das auch nur bedeutet, mich auf etwas einzulassen und spätestens, wenn ich mich drauf freue, wieder loslassen zu müssen, weil der Weg auch wieder nur in einer Sackgasse endet. Und dann lese ich den Alchimist von Coelho zuende und denke noch, ich brauche vielleicht einfach nur ein besseres Gespür für Zeichen und eine halbe Stunde später halte ich 2 Briefe der Uni Marburg in Händen, die mir Studienplätze versprechen. Bio und Deutsch oder Bio und Geographie. Im Nachrückverfahren. Was soll ich jetzt davon halten? Ich möchte heulen, ich möchte schreien, ich möchte irgendwen dafür verantwortlich machen, dass alles so fürchterlich schief läuft. Ich möchte jemanden haben, der mir sagt, was ich tun soll und mir eine Garantie gibt. Aber Garantien gibt es in diesem Leben nicht. Und ich befürchte, wenn ich anfange zu heulen, dann muss ich platzen, dann zerspringe ich in ebensoviele Splitter wie die Zukunftsgebilde, die ich mir im Akkord aus den Fingern schüttele. Und dann atme ich tief durch und realisiere, dass ich 400 km weit weg bin voll allen Menschen, die ich liebe. Und dass ich nur soweit weg bin, weil ich dachte, dass ich diesesmal den richtigen Weg gefunden habe. Und diese Tatsache bringt mich fast zur Verzweiflung. Und ich habe keinen Cent übrig, um heim zu fahren. Das bisschen Geld, das ich noch habe, brauche ich, um zum Friseur zu gehen, meine Haare zu färben, Bewerbungsfotos zu machen und Bewerbungen zu verschicken. Denn die Bewerbungsfrist für die meisten Ausbildungsstellen 2008 endet schon bald. Und irgendwie muss es ja weitergehen, muss ich ja weitergehen. Und wenn ich noch durch hunderte Fata Morganas laufen muss. Vielleicht komme ich auch irgendwann mal irgendwo an. Oder ich löse mich einfach auf. Zusammen mit der hundertsten trügerischen Luftspiegelung.

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13 Antworten zu “Lebenswege und Fata Morganas

  1. Hm….kommt mir sehr bekannt vor, das alles. Grade deswegen, und trotzdem – alles Gute für dich!

  2. Danke, dir dann wohl auch, Leidensgenosse!

  3. Danke – ich denke, ich kann evtl. noch alles gerade so hindrehen, das wird sich zeigen – bis nächstes Jahr spätestens. Bis vor kurzem stand ich auch davor alles hinzuwerfen (bzw. hatte schon…), und dann haben sich doch noch Möglichkeiten aufgetan – wünsche Dir das gleiche…

  4. Da weiß ich gar nicht wie ich anfangen soll, ich habe jede deiner Zeilen genaustens und mit verschiedenster Gefühlsmischung gelesen. Und jetzt überlege ich, wie ich dir Ratschläge geben kann, aber ich merke wie naiv diese Idee ist.
    Vor drei Jahren bin ich nach Weimar gezogen, mit einer Tasche Bettzeug, einem Block und Stiften. Mit dem Gepäck machte ich mich auf den Weg zum Wohnheim und jemand „begrüßte“ mich mit: „Willkommen in Deutschland“. Seit dem bin ich ganz gut mit der Vorstellung gefahren, dass ich tatsächlich im Ausland bin. Da würde ich mich jedenfalls nicht beschweren. Ich kannte niemanden, – meine Freundin tausende Kilometer weiter weg in Japan – und ich habe kein Telefon, und es wird im Studentenwohnheim auch keins geben. Internet natürlich auch nicht… Ich kannte niemanden, und habe Tag täglich daran gedacht aufzuhören. Und wie froh war ich, als mir der einzige aus meiner WG ein Radio ausgeliehen hatte.
    Ich saß des öfteren schon in der Vorlesung und schrieb schon gar nichts mehr mit. War in Gedanken mir Alternativen am planen, aber irgendwie gab es auch einen Gedanken der mich herausforderte weiterzumachen. Und nicht selten hatte ich die Vorstellung welch schönes Leben die Freunde zuhause Leben. Alle zusammen – können sich oft treffen und ich hocke hier in Weimar und jetzt Jena. Das denke ich manchmal immer noch.

    Ich weis nicht, ob du dich schon entschieden hast, aber es wird immer Dinge geben, die einem nicht gelingen wollen. Wenn sie einem Wichtig sind, sollte man weiter machen. Wenn nicht, dann nicht… was nun aber wichtig ist und was nicht entscheidet jeder selber…

    Wenn du mit jemandem Reden willst, oder auch nur vielleicht mal zusammen was leckeres 😉 in der Mensa essen willst, würde ich mich freuen.

  5. Harter Tobak. So irgendwie. Hast ja doch schon eine Zeit mit Studieren verbracht. Wenn du nun wirklich den Weg der Ausbildung gehen solltest, dann aber bitte dort, wo die dir lieben Menschen sind. Das gibt dann auch halt in der beruflichen Sache. Ich würde eher stets einen doofen Job annehmen, als von Frau/Freunden/Familie/Co. getrennt zu sein… das eine bedingt irgendwie das andere.

    Wie auch immer: Wünsch dir nur das beste und mit der Zeit wird sich auch dir ein Weg auftun. Hör einfach auf dein Herz/deinen Bauch.

  6. @Bullion: Auf was bezieht sich der harte Tobak?

  7. Auf die Situation von Frau Loewenzahn.Sich nach ewigem Hin- und Herstudieren so verloren fühlen. Das ist nicht schön.

  8. @bullion: Stimme ich nur zu. Wenn man nicht weiß welche Richtung man einschlagen will muß man sich auch nicht beeilen. Ich würds daher eher ruhiger angehen.

  9. Nach den aufmunternden Worten weiter oben, versuche ich auch noch welche zu finden, die nicht allzu blöd klingen.
    Ich hatte seit der 10.Klasse Panik, weil ich ncht wusste, was ich mal später ewrden will. Selbst jetzt bin ich mir nichts sicher, ob mein Studiengang die richtige Entscheidung war. Aber immer, wenn mir Zweifel aufkommen, denke ich an die Worte eines Mannes, der meinte: „Es gibt keine falschen Entscheidungen. Es gibt nur Entscheidungen, aber niemals falsche.“ Irgendwie muntert mich das immer ein bisschen auf. Wenn ich dann auch mal auf meine Schulzeit zurückblicke und mir (wie so oft) denke: „Hätte ich doch lieber das und das zu der Zeit gemacht, dann gings mir besser und die Entscheidung wäre besser gewesen…“, dann muss ich zugeben, dass vieles Gute dabei auch nciht passiert wäre, weil für jedes Ereignis so viele Zufälle zusammenspielen müssen, damit es eintrifft. Hätte ich mich damals nicht mit meiner Freundin zerstritten, hätte ich niemals meinen Freund kennen gelernt. Schon erstaunlich!
    Also: Die Zeit, die du mit dem Studium verbracht hast, war auf keinen Fall vertane Zeit, sondern war für irgendwelche wichtigen Erfahrungen gut.
    (Oh man, klingt das jetzt altklug… -.-)
    Aber wozu auch immer du dich entscheidest: Ich wünsche dir Glück und auf jeden Fall Gelingen! 🙂

  10. Danke euch allen für die lieben Wünsche…ich melde mich wieder, wenn ich ein wenig klarer in der Birne bin…

  11. oh Mann! Ruf doch mal an! Heute abend bin ich daheim!

  12. Mir geht’s ab & zu genauso.
    Weiß auch nie wirklich, was ich will, fang tausend Sachen an & entscheide mich letzten Endes doch für etwas anderes. Hmpf.
    Viel Glück für dich!

  13. Ich schrieb doch letztens: „Es bleibt schwierig…“ Der Satz passt jetzt schon 47 Jahre zu meinem Leben. Kopf hoch! (Oder runter, wenn in Deckung gehen angesagt ist!)

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