Schönheit?

West.art mit dem Thema: „Mein Feind – der Körper“

Lydia Haustein bereiste in 10 Jahren 40 Länder und versuchte, dem Schönheitsbegriff auf den Grund zu gehen. Ist das Schönheitsideal global oder kulturgebunden?

Das ist so klar gar nicht zu benennen, aber zumindest scheint es Gründe zu geben für das Prinzip Schönheit, welches es zu jeder Zeit und in jedem Volk gab und gibt. 
Das Volk der Padaung wird erwähnt, vor allem deren Frauen, von denen Bilder um die Welt gingen, die wir im Westen wohl häufig mit einer Mischung aus Faszination und Irritation betrachten. Es sind die Frauen mit den langen, mit vielen goldenen Halsringen geschmückten und gestützten Hälsen. Und auch die gebundenen Füße der Chinesinnen werden genannt.
Ob das ein Schönheitsideal sei, wird Fr. Haustein gefragt. Hier ginge es vor allem um eine Machtausübung, entgegnet diese.
Die These, die sie in den Raum stellt: Das solche Schönheitsideale vor allem dazu dienten/dienen, die Frauen durch Immobilisierung und Schaffung einer künstlichen Abhängigkeit unterzuordnen und an sich zu binden.

Und dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Plötzlich eine platte These in meinem Kopf:

Ist Schönheit Gefangenschaft und „Hässlichkeit“ Freiheit?

Beschränkt sich das Prinzip der künstlichen Abhängigkeit auf solche Extrembeispiele? Oder ist auch eine von der westlichen Welt empfundene Schönheit ein Käfig obwohl sie keine tatsächliche körperliche Abhängigkeit darstellt? Ist hierzulande die Jagd nach vollkommener Schönheit die eigentliche Form der Abhängigkeit?
Frauen und zunehmend auch Männern wird, wie dem Esel mit der Möhre, ein Weg gewiesen, an dessen Ende das Glück, oder gar die Glückseligkeit wartet.
„Schön=Erfolgreich“, „Die Schönen regieren die Welt“, „Schön und beliebt“ usw.  
So jagen wir mehr oder weniger alle einer Verheißung hinterher, die letztendlich nie erreicht werden kann – ebenso wenig wie es der Esel je schafft, seine Möhre zu erwischen. Es sei denn natürlich, die Möhre wird ihm aktiv gegeben.

„Ich wäre so gerne so schön wie du, dann wäre mein Leben einfacher“, spricht das graue Entlein zum schönen Schwan. Woraufhin dieser den schlanken Hals in die Höhe hebt und die Tragweite seiner Tragik wieder auf den Schultern spürt. „Ich wäre gerne einfach ich und nicht bloß schön, dann wäre mein Leben einfacher“ entgegnet dieser und senkt demütig den Kopf, weil er die Erfahrung gemacht hat, dass man ihm nicht glaubt, wenn ersagt, dass er nicht mehr schön sein will. Schließlich wollen doch alle schön sein, oder?

So oder so ähnlich klingen wohl viele Gespräche von Mädchen, Frauen, Freundinnen, Feindinnen, Jungs und Männern auf der ganzen Welt – jeden Tag. Und ich glaube nicht, dass dieses Phänomen einfach mit der Formel „Man will halt immer das, was man nicht hat“ abtun kann oder sollte.
Ich glaube, dass es viele eher damit zusammenhängt, dass die Schönheit nicht hält, was sie verspricht. Wir alle tragen wohl die tiefe Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung in uns und das Schönheitsideal birgt den vermeintlichen Garant, diese zu bekommen – unser Äquivalent zur eselschen Möhre.
Aber wer ist in der Lage uns diese zu geben? Und ist es nicht auch so, dass wir demjenigen auch eine gewisse Wut entgegen bringen? Hat er doch die ganze Zeit die Macht, mich glücklich zu machen. Aber dem voran stellt er die Bedingung für ihn schön zu sein.
Und mehr noch: Eine Möhre ist schnell verdaut. Der nächste Hunger kommt bestimmt. Will ich dieses Spielchen immer weiter spielen? Will ich wirklich mein Leben lang einer Möhre an der Angel hinterherlaufen? Will ich mich zum Sklaven meines Gegenübers machen lassen? Zum Sklaven der Anerkennung und damit zum Sklaven der Schönheit?
Da kommen mir direkt viele Gedanken zu: Wenn ich das tue, sehe ich nichts von der Welt um mich herum, da ich immer auf die Möhre fixiert bin? Und: Möhren sind nur eine Facette im großen Welt des Gemüses. Und: Immer nur Möhre?? Noch dazu kommt, dass das Bild etwas, wie ich finde, sehr demütigendes hat.

Nun, die oben genannte These ist wohl wirklich zu platt. 😉
Aber zumindest stelle ich fest, dass Schönheit das Leben nicht leichter macht, bloß anders und dass Freiheit in diesem Zusammenhang wohl nicht bedeutet, „hässlich“ sein zu müssen. Aber dass wir, wenn wir schon nach Schönheit streben, es zumindest nicht unbedingt aus der Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe tun sollten. (Bliebe die Frage, warum dann überhaupt nach Schönheit streben?)

Bliebe noch eine andere Diskussion, die auf einem völlig anderen Blatt steht: Was ist eigentlich Schönheit?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s