Ein schattiges Plätzchen

Nun mal zu den Schattenseiten der Gesundheitsreform. Halthalthalt, mag da jetzt manch einer schreien und mich verwundert fragen, wo denn bitte die Sonnenseiten derselbigen sind. Aber das ist zum einen hier und jetzt nicht Thema (ich bitte in diesem Zusammenhang die Überschrift zu beachten) und zum anderen kenn ich keine, zumindest hab ich noch keine dezente Bräune davongetragen, ganz zu schweigen von einem Sonnenbrand. Aber das wäre vielleicht auch ein bisschen viel erwartet.

*räusper* Ich schweife ab. Also hier eine der vielen Schattenseiten, wie wir sie alle nur zu genüge kennen.

Meine Oma ist jetzt 86. Wacker wacker, das alte Mädchen. Vor allem wenn man beachtet, dass sie davon die Hälfte der Zeit mit baldigen Sterbeandrohungen verbracht hat. Ich glaub, damit hat sie angefangen, als sie ihren ersten Satz gradeaus sprechen konnte. So á la: „Nein ich ess meinen Haferschleim nicht, lohnt sich nicht, denn morgen bin ich eh tot“. Ich glaub der Satz, den ich von ihr am häufigsten gehört hab ist: „Naja, man wird halt langsam alt, da will dat alles nimmer so“ Dazu sollte man vielleicht sagen, dass meine Oma nix wirklich weltbewegend Schlimmes hat. Nie hatte. Bis auf ein bisschen Osteoporose, Altersweitsicht und ein schlimmes Knie is das graue Dauerwellenlockenköpfchen wirklich fit.
Jetzt wurde allerdings ein Tumor im Augenlid gefunden, aber nicht streuend und operabel. Zu diesem Zweck sollte sie in Bonn in die Klinik, was ihr entsprechend Panik verpasst hat. Durchaus verständlich, wie ich finde. Ich mein, wie eklig ist denn bitte die Vorstellung, am Auge operiert zu werden? Die Diagnose wurde von drei Ärzten bestätigt, bevor sie zu ihrem Termin antrat.
Und ich sags euch: Es gibt Wunderheilungen…oder auch schlechte Ärzte. Neue Diagnose: Fehldiagnose. Kein Tumor, keine OP.
Und worauf will ich hinaus? Was hat das jetzt mit der Reform zu tun? Ganz einfach: Die Tatsache, dass das Krankenhaus tatsächlich meine 86-jährige Oma von morgens 9 bis nachmittags um 17 Uhr hat warten lassen und sich geweigert hat, ihr einen Taxischein auszustellen, damit sie wieder nach Seelscheid nach Hause fahren kann. Meine Eltern haben auch nur davon erfahren, dass die OP abgesagt wurde, weil meine Mutter angerufen hat, um zu fragen, in welchem Zimmer sie meine Oma am nächsten Tag während der Besuchszeit finden würde.
Welch Sozialstaat…

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Eine Antwort zu “Ein schattiges Plätzchen

  1. Sorry, dass ich hier so reinplatze, aber deiner Oma hat man wenigstens in einem ordentlichen Krankenhaus eine ordentliche Behandlung zukommen lassen und die Diagnose noch mal überprüft, bevor sie unters Messer kommen sollte. Und man hätte sie auch operiert trotz ihrer 86 Jahre und nicht gesagt: „Ach das lohnt sich eh nicht.“ Alles kostenlos, weil sie ja – gesetzlich oder privat – krankenversichert ist.
    Ich sag das, weil ich da, wo ich wohne (Moskau) täglich vor Augen habe, wie anders es sein kann. Die Otto-Normal-Senioren haben hier nix zu lachen, die werden von Krankenhäusern z.T. auch gar nicht in stationäre Behandlung genommen. Lohnt sich nicht, und am Ende sterben die noch und versauen die Statistik und machen auch nocht Arbeit.
    Gut, das mit dem Taxi für deine Oma ist wirklich nicht besonders nett. Aber im Vergleich zu den ganzen anderen Leistungen, die sie bekommt, letztlich doch eher eine Lappalie.

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