Montagsjazz: So.Weiss

Was gäbe es für einen schöneren Grund mal wieder zu schreiben, als ein neuer Bericht zum Montagsjazz zu dem ich ebenfalls nach einer längeren Pause gestern zurückgekehrt bin?
Und das auch eher durch einen glücklichen Zufall. Mein erstes Montagsjazz-Erlebnis waren damals „Kenosha Kid„, die mich sehr begeistert haben (und übrigens vielleicht im April wieder im Diners zu hören sein werden) Auch wenn sie vielleicht für manche zu speziell waren, ich fand sie wirklich klasse. Damals hatte ich die Saxophonistin Susanne Folk angespochen und mich kurz mit ihr unterhalten. Sie erzählte mir von einem anderen Projekt, mit dem sie u.U. auch mal beim Montagsjazz spielen wolle.
Das war so um den Januar diesen Jahres herum.
Am Freitag trudelte eine E-Mail in mein Postfach. Das sie mit ihrem neuen Projekt am Montag im Diners spielen würde, schrieb sie mir. Wie perfekt, denn diese Woche hab ich Urlaub und musste mich nicht nach der Arbeit dahin hetzen.

Und was soll ich sagen? Jetzt grade bräuchte es einen Podcast, damit man mein begeistertes Seufzen hören könnte, welches mir bei dieser Musik über die Lippen kommt.

So.Weiss
So nennt sich dieses Projekt/Band, bestehend aus Susanne Folk am Saxophon und der Klarinette (und Gesang), Kristiina Tuomi, die wunderbare Stimme des Ganzen und Roland Fidezius am Kontrabass, der wie Folk auch bei „Kenosha Kid“ dabei war.
Alle Kompositionen stammen aus der Feder von Susanne Folk. Die Texte dagegen sind spannenderweise zum größten Teil vertonte Lyrik. Lord Byron und John Keats wurden mit verträumten Harmonien unterlegt, ebenso wie Shakespeares „So white“, welches auch Namensgeber für „So.Weiss“ war. Aber nicht nur die alten Engländer erwachen plötzlich zu neuem Leben. Auch zwei Stücke von Susanne Folk selbst finden sich auf der ersten CD „Hunter/Dancer“ wieder und auch deutsche Texte von Monika Rinck, einer jungen Dichterin aus Berlin.
Und der Sound? Federleicht, anrührend, leise und fein. Ungewöhnlich und wunderschön. Grade die unglaublich klare Stimme und Aussprache von Kristiina Tuomi hat es mir dabei angetan, die einen so leicht entführt. Ein Bass, der nie aufdringlich wird und dem Ganzen eine starke Basis gibt. Und der zarte, weibliche, ja beinahe sinnliche Sound des Saxophons. Saxophon und Stimme immer wieder im Dialog, im Wechselspiel.

Und die CD ist ein absolutes Schmuckstück. Mit allen Texten, was mich persönlich natürlich sehr freut und einem wirklich schönen Layout. Von den Stücken auf der CD haben es mir persönlich besonders zwei Vertonungen von John Keats angetan: „You say you love“ und „La Belle Dame sans merci“.

Kritikpunkte? Ja, zwei ganz kleine. Die zwei Lieder, die mir beim Konzert am besten gefielen, sind leider nicht auf der CD, sollen aber auf der nächsten sein, die voraussichtlich nächstes Jahr aufgenommen und Anfang 2008 erhältlich sein wird.
Und: Live singen Folk und Tuomi die zweistimmigen Passagen, die sich in ein paar Liedern finden, was spannend ist, denn ihre Stimmen sind sich so ähnlich wie sie auch verschieden sind. Auf der CD singt Tuomi die zweite Stimme, was dem Ganzen ein wenig Spannung und Fülle nimmt.
Aber das wars dann auch schon an Kritik.

EDIT: Ich wurde eben von Susanne berichtigt, sie hat sehr wohl auch auf der CD die 2. Stimme gesungen. Da neige ich mein Haupt mit ein wenig Scham.
Nur gut, dass ich bald mit Gesangsunterricht anfange, der auch Gehörbildung enthält. Dann passiert mir sowas auch nicht mehr 😀
Und damit hat das Ganze nur noch einen Kritikpunkt, der eigentlich auch keiner ist. Denn erstens, die die So.Weiss nicht live gehört haben werden die Stücke ja schließlich auch nicht vermissen. Und zweitens gibts für die anderen dann noch was, worauf man sich freuen kann 😀

Mein Fazit?
Wer sanfte Töne und Lyrik mag, wer gerne bei Musik aus dem Fenster schaut und sich davonträumt, wer das Bedürfnis hat, auf einer Wiese zu liegen, den Wolken beim Treiben zuzusehen und dabei von Liebe zu träumen, oder jemanden kennt, der solche Musik mag, der sollte unbedingt reinhören oder eins seiner Weihnachtsgeschenke kaufen 😉

(Bei Finetunes reinhören)
(Infos zur Band und für die Original-CD)

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Eine Antwort zu “Montagsjazz: So.Weiss

  1. Hey,
    toll, dass du wieder da bist. Wirklich schöne Beschreibung der Musik, ich bekomm gerade Lust auf wirklich schöne Musik und werde meinen Mp3-Spieler gleich neu befüllen bevor ich zu Uni gehe.

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