Fürchterlich

Sodale, endlich daheim. Und viel nachgedacht, nach diesem seltsamen Erlebnis.
Ja, ich habe Peter heute wiedergesehen! Er hat tatsächlich im selben Semester auf den selben Studiengang, an dieselbe Uni gewechselt, wie ich. Unglaublich, aber wahr.
Gestern war ich noch voller guter Dinge. Dachte „Och ja, wenn er wirklich da auftaucht, dann grüßt du eben…fragst, ob er nicht auch mal in Bonn studiert hätte usw.“
Tja, aber ich hab die Rechnung ohne mich gemacht. Die Fantasie ist das eine, die Realität eine ganz andere.
Die Realität sah folgendermaßen aus:

Ich war pünktlich da. Saß schon im Hörsaal, schau mich um….und sehe Peter. Habe ihn unter locker 200 Studenten mit absoluter Treffsicherheit gefunden. Ich brauchte mich nur umdrehen. Und? Er saß alleine da.
Also alles perfekt, mag man da denken. Tja, weit gefehlt. Wie gesagt, ich hab die Rechnung ohne mich gemacht.
Denn kaum hatte ich ihn entdeckt, krampfte sich mein Magen zu einem einzigen, großen Knoten zusammen, mir wurde heiß und kalt gleichzeitig, meine Hände fingen an unkontrolliert zu zittern und ich war komplett mit den Nerven am Ende.
„Egal“, dachte Frau Löwenzahn und stand mit dem festen Willen, ihn anzusprechen auf, ging nach hinten und blieb stehen. Einen wunderbaren und völlig irritierenden Blick auf seinen Hinterkopf und ich stand da wie ein Wrack. Unfähig zu irgendwas oder allem. Egal, jedenfalls konnt ich mal gar nichts. So schlimm gings mir nichmal vor meiner mündlichen Abiprüfung!!
Der Versuch durchzuatmen brachte rein gar nichts, mein Brustkorb war wie zugeschnürt.
Nach 5 qualvollen Minuten des hin- und herüberlegens entschieden, dass ich das nicht kann. Bin an ihm vorbei gelaufen, konnte ihn, weil er gelesen hat einen wunderbaren Augenblick lang betrachten, so ganz aus der Nähe und hab mich ein paar Reihen vor ihm hingesetzt. OK, dachte ich. Ich brauch jetzt dringend etwas positives, was einfaches, irgendwas, was funktioniert und mich wieder grade rückt. Also flyinggoose eine Notfall-SMS geschickt. Prompte Antwort: Lächeln!Grüßen!Lächeln!
Super! Das ist gut. Da ist schlicht, da kann mir nichts passieren. Das kann ich!…
…Nein, ich konnte nicht.
Noch nichtmal das bekomme ich auf die Reihe. Ich habe so Angst, vor dem, was ich in seinen Augen sehen könnte, wenn ich das Risiko eines Blickkontaktes eingehe, dass ich noch nichtmal das auf die Kette bekomme.
Und stattdessen? Verhalte ich mich wie eine seltsame Mischung aus 14jährigem Teenager und Stalkerin. Himmel ihn aus der Ferne an, wenn ich denke, dass er mich nicht sieht. Habe das Bedürfnis, ihm überall hin zu folgen, nah bei ihm zu stehen, wenn er sich mit Freunden unterhält, um seine Stimme zu hören und zu hören, was er so erzählt.
Ich fühle mich so bescheuert wie noch nie in meinem Leben. Also mal ehrlich: Wie kann das sein? Ich habe mich noch nie mit diesem Mann wirklich unterhalten, wahrscheinlich weiß er nichtmal wer ich bin (zumindest macht es den Anschein. Ich glaube wirklich, er hat mich überhaupt noch nie wirklich registriert. Für ihn existiere ich quasi gar nicht) und ich habe eine dermaßene Sehnsucht. Es ist so unfassbar absurd!!
Ich bin wirklich nicht kontaktscheu. Ich kann innerhalb kürzester Zeit mit einem ganzem Raum voller Menschen in Kontakt kommen (wenn dem nicht so wär, hätte ich mir wohl auch den falschen Beruf ausgesucht), aber ich schaffe es nichtmal Peter anzulächeln und ihm zu signalisieren „Ich hab dich gesehen“.
flyinggoose hat vor einigen Tagen die Frage gestellt, welche Fähigkeit man gerne hätte, wenn man diesen Wunsch äußern könnte und dieser über Nacht erfüllt würde. Ich revidiere meine Antwort und sage jetzt: Ich hätte gerne die Fähigkeit, mir und dem Schicksal zu vertrauen.

Ein Glück ist mit heute der Zug nicht abgefahren. Wir müssen beide durchs erziehungswissenschaftliche Begleitstudium. Das heißt, wir werden uns noch desöfteren über den Weg laufen. Vielleicht schaff ichs ja dann doch irgendwann…*seufz*

Und Jennifer? Ich würde mich wirklich freuen, wenn du Zeit für mich, einen Tee und ein ausgedehntes Gespräch hättest. Ich brauch ganz dringend ein bisschen Optimismus und Selbstvertrauen!

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9 Antworten zu “Fürchterlich

  1. dasging mit diesen Sommer auch einen ganzen Monat lang so. Schließlich habe ich es nicht mehr ausgehalten und ihm einen langen Brief geschrieben, auf den er sofor geantwortet hat, aber er war schon lange unglücklich in jemand anders verliebt.
    Ich kam mir genaus albern vor: Solche Sehnsucht, ohne sich jemals vernünftig unterhalten zu haben, da man das natürlich nicht hinbekommt vor lauter Aufergtheit. Kam mir auch vor wie 15.
    Aber was machst Du, wenn er das hier liest? 🙂

  2. Guten Morgen, bestes Löwenzähnchen!
    1. Alles ist gut
    2. Irgendwas ist immer
    Ist nicht von mir, aber stimmt doch auch in dieser Angelegenheit irgendwie 😉
    Beim Lesen Deines posts kamen mir verschiedene Gedanken:

    1. Vielleicht ist Dein Körper ja vielvielviel schlauer, als Du es ihm zutraust und er signalisiert heftigst, daß der Kerl nicht der Richtige ist. So was gibt´s schließlich auch, nur leider hören wir manchmal nicht darauf, weil wir uns womöglich

    2. in ein Traumbild von jemandem verliebt haben und genaugenommen überhaupt keine Ahnung haben, wer derjenige wirklich ist. Das macht es uns leicht, jemanden zu „lieben“, denn unser Bild ist natürlich perfekt und paßt ganz wunderbar zu uns

    3. als Du das P.-ansprechen mit einem Gefühl vor-der-Abiprüfung vergleichst, mußte ich doch ein wenig ;-), denn das ist ja nicht gerade die Art von Herzrasen, die da eigentlich hin sollte.

    4. Vielleicht einfach locker bleiben und fleißig in die Uni gehen und studieren. Man wird sich wieder sehen und wenn er sein Studium auch ein bißchen ernst nimmt, wirst Du ihm ja noch öfter begegnen.

    5. Eventuell ergibt sich die Möglichkeit, zusammen in irgendeinen Lern- oder Arbeitskreis zu kommen?

    6. und ein paar kleine Weisheiten:
    6a: „Mit Uhren kennen wir uns nicht aus. Wir tun die Dinge, wenn wir bereit sind.“ (Indianersprichwort)
    Soll heißen: vertrau mal Deiner inneren Stimme, die ist nämlich weise und (hab´s ja am eigenen Leibe erfahren) Dinge gehen leicht, wenn man wirklich bereit ist.
    6b: „Just don´t give up trying to do what you really want to do. Where there is love and inspiration, I don´t think you can go wrong.“ (E. Fitzgerald)
    Natürlich muß man da auch vorher rauskriegen, was man wirklichwirklichwirklich möchte. Und zwar, ohne sich was schönzureden.
    6c: „In every man you can find a beating heart. I dream nothing else but a dancing heart.“ (noch ein Indianersprichwort)
    Ich will mein Leben nicht einfach nur exitierend leben, sondern ganz (also tanzend quasi). Darum sorge ich gut für mich und passe auf mich auf.

    7. Kennst Du das Buch „Wie viele Frösche muß ich küssen?“
    Das klingt einerseit sehr amüsant, ist aber andererseits wirklich ein Arbeitsbuch, das einem hilft, zu gucken, warum man sich in der Vergangenheit immer diesen oder jenen Männertyp ausgesucht hat, welche Prallelen es gegeben hat und worum es eigentlich ging etc. Sehr spannend. Aufschlußreich fand ich´s anno 2002 auf jeden Fall. Man erfährt da was über sich, wenn man das Buch wirklich nicht nur liest, sondern durcharbeitet. Sehr interessant. Habe ich viel gelernt 😉

    8. ein kleiner Abschlußfragenkatalog:
    – Was willst Du von ihm?
    – Ist er der einzige Mensch auf der Welt, der das hat, was Du suchst?
    – Kann es sein, daß das, was Du suchst, Du vielleicht auch IN DIR finden kannst?
    – Was fasziniert Dich an diesem „Fremden“?

    Sodele, mein Löwenzähnchen, das sind die Dinge, sie mir spontan einfallen. Bin ja per sms erreichbar. Vielleicht kriegen wir ja die Tage ein T-chen hin oder so.

    9. ach ja:
    Denk nicht so viel nach! Männer tun das (meistens) auch nicht! 😉

  3. „Männer tun das (meistens) auch nicht!“

    Ist das so, ja?! Interessant. Sollte ich mal nicht drüber nachdenken. *lol*

  4. Oje 😉 Wollen wir das hier diskutieren, mo choí? *g*
    Ooops, ich bin wieder zu ernst… aber ernsthaft: Männer grübeln meistens nicht so viel, jedenfalls die, die ich so kenne, oder sie machen das ganz im stillen Kämmerlein. Ich bin ja froh, daß ich eines der seltenen, nicht gedankenlosen männlichen Wesen in meine Arme schließen darf!

  5. Wir müssen das hier in der Tat nicht diskutieren. War nur ´ne gute Vorlage für ´nen kleinen Scherz.
    Aber eine kleine weitere Anmerkung sei mir erlaubt:
    Ich glaube, pauschale Ausgagen sind in der Regel unnütz, weil es weder „den Mann an sich“, noch „die Frau an sich“ gibt, sondern ganz viele Männer und Frauen, die alle ihre eigene Geschichte haben.
    Zum eigentlichen Thema:
    Das Wesentliche ist ganz einfach.
    Nach all den schönen Illusionen darüber, wie es laufen könnte, besteht nun die reelle Chance der Kontaktaufnahme. Mit der Möglichkeit der Desillusionierung, die wahrscheinlich ist, weil die Dinge, wie es ist (Shunryu Suzuki 🙂 ), niemals so sind, wie man sie sich vorstellt. Da spielen Körper und Geist schonmal verrückt. Schließlich gibt das Ego seine – vermeintliche – Kontrolle über die Dinge nur sehr ungern aus der Hand.
    Die Frage ist immer nur: Kannst Du das, was ist, akzeptieren, und Dich ihm ganz und gar hingeben? Oder möchtest Du weiter einem Traum hinterherlaufen? Nur diese Wahl hast Du! Alles andere läuft von allein.

  6. David Chadwick schreibt in Shunryu Suzuki, Eine Ecke dieser Welt erhellen, O.W. Barth 2004:

    Als wir am vierten Tag eines Sesshin mit unseren schmerzenden Beinen, wehen Rücken, Hoffnungen und Zweifeln dasaßen und uns fragten, ob es das alles wert sei, begann Suzuki Roshi seinen Vortrag mit den langsam gesprochenen Worten:

    “Die Probleme, denen ihr jetzt begegnet …”

    “… werden verschwinden”, würde er jetzt sagen, so glaubten wir alle felsenfest.

    “… werden für den Rest eures Lebens da sein”, fuhr er fort.

    Die Art, wie er das sagte, brachte uns alle zum Lachen.

  7. Ich hatte jetzt ein bisschen Zeit über die ganze Sache nachzudenken. Immerhin kam Peter ja sozusagen ganz plötzlich aus dem Nichts, da kann man schonmal das Gleichgewicht verlieren.
    Was ich festgestellt habe ist, dass ich ihn schlicht anziehend finde…als Mensch und gar nichtmal als potentiellen Partner oder ähnliches. Aus irgendeinem Grund soll er in meinem Leben eine Rolle spielen…welche, ist mir selbstverfreilicht schleierhaft.
    Mit diesem Hintergrund und dem Bewußtsein, dass man nur einen Schritt nach dem anderen gehen kann (weil man sich sonst nämlich gnadenlos auf die Schnauze deppert 😉 ) werde ich den Dingen seinen Lauf lassen und habe mir vorerst als einziges Ziel gesetzt, Jennifers Tipp in die Tat umzusetzen. Nämlich lächeln und grüßen. Is ja numal auch eigentlich das normalste der Welt, gell? 😀

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