bedenklich

auf dem weg von troisdorf nach köln, heute nach der hochzeit in der bahn. ein unangenehmer mann um die 50. einer von der sorte schmieriger möchtegernmanager und ekliger alkoholfahnenonkel, bei dem man auf den knien sitzen muss, während er einem in die backen kneift (welche dürfen sie sich selber aussuchen). und das ganze zu gleichen teilen gemischt. durch und durch unangenehm. schon alleine der billige after-shave-geruch hätte mich davon überzeugen sollen, mir einen platz möglichst weit weg zu suchen.

2-3 haltestellen später stieg eine ältere dame dazu. sittsam, wie sie alle sind mit ihren aufgedrehten und gelegten locken. mit ihren mänteln bis mitte wade in nassem-hund-braun und den bequemen schuhen in einer nuance heller als der mantel. diese frauen wirken so, als würden sie sich mit jeder faser ihres körpers entschuldigen. immerzu.

noch eine haltestelle später eine frau, aus welchem land auch immer, mit schild auf dem irgendetwas stand und der englischen bitte um etwas geld.
manchmal gebe ich geld, manchmal zigaretten, manchmal etwas zu essen. aber nicht an diese, die mir mit ihrem leiden-christi-gesicht ein schlechtes gewissen machen wollen. das ist nich fair, finde ich. aber wenn sie wollen, sollen sie das tun. mir ist das egal. es stört mich nicht. ich schüttele den kopf und gut.

und kaum war sie vorbei fing besagter unangenehmer mann an die kleine ältere dame davon überzeugen zu wollen, dass es langsam mal zeit für einen nächsten krieg wäre.
es folgten hasstiraden auf den ostblock, die ausländer, die uns die arbeit wegnehmen und die bundeswehr, die unser geld verschwendet, weil sie überall auf der welt hilft, nur nicht im eigenen land. sie, völlig überfordert, stimmte zögernd zu. dabei sah sie aus, als würde sie am liebsten im boden versinken, oder ihm ihre handtasche auf den kopf hauen.

völlig entnervt stopfte ich mein buch in die tasche. ich kann nicht anständig lesen, während menschen so einen mist von sich geben.

„wenns nötig wäre, würde ich nicht zögern und mir ein maschinengewehr nehmen und den stahlhelm aufsetzen“

da ist mir die hutschnur geplatzt und mit einem vernichtenden blick habe ich meine tasche genommen und habe mich weit weg gesetzt.

manchmal wünschte ich, ich wüßte etwas zu sagen in solchen momenten. aber soviel geistige armut macht mich einfach sprachlos vor zorn.

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4 Antworten zu “bedenklich

  1. Dazu etwas zu sagen steigert doch höchtens das eigene Befinden, oder meinst Du, es hätte nennenswerten Einfluß auf seine meinung ausgeübt? Wohl eher nicht, dafür hättest Du dich u.U. schnell in einer (primitiven) Diskussion wiedergefunden. Vermutlich warst Du ihm ohnehin schon suspekt, weil Du ein Buch gelesen hast.. ..aber Scherz beiseite, ich denke Du hast dort non-verbal ausreichend deine Meinung kommuniziert.

  2. die aussichtslosen diskussionen sind letztendlich auch immer der grund, weswegen ich in solchen momenten schweige und dennoch ärgere ich mich darüber.
    schweigen in dem zusammenhang ist halt einfach so typisch deutsch.

  3. ich kann sowohl chris als auch dich sehr gut verstehen! das sind jene momente, in denen terroristen geboren werden – zumindest mental…

  4. ja, vielleicht. wobei ich ja immer in weltverbesserer-fantasien schwelge in solchen momenten 😦

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